Die neue Linke - was ist das?  von Angelika Lindner
verfasst am 3. März 2004 Kurzgeschichten Inhalt


Inhalt

Einleitung

Deutschland - ein Eingangstor für politische Abenteurer

Der Zionismus und der Nahostkonflikt

Der Anti-Semitismus
        Was sind eigentlich SEMITEN?
        Warum ist dieser Begriff so idologieüberfrachtet
        Ist jeder ein Opfer des "Anti-Semitismus", der dies für sich reklamiert?


Wer sind diese Kräfte?

Welche Chancen eröffnen sich für sie?

Was kann Europa dem entgegensetzen?

Wirkung auf die israelische Linke

Wirkung auf die Linke im arabisch-islamischen Raum

Wirkung auf die Linke überhaupt

Überflüssige Webseiten

Demnächst



Einleitung

Seit einiger Zeit geistert ein neues Gespenst durch das Land - Die Linke oder was von einem Teil von ihr übriggeblieben ist. Sie zerfällt in immer mehr Gruppen, die immer skurrilere Ideen proklamieren. Eine dieser Gruppen ist die sich manchmal "pro-zionistische Linke" nennede Fraktion, die sich mit ihrer Ideologie von der Realitä meilenweit entfernt hat.

Die Frage könnte natürlich auch lauten: Handelt es sich bei diesem Phänomen tatsächlich um die "Linke" bzw. Teile derselben? Die Akteure jedenfalls sind nun mal die "üblichen Verdächtigen". Nun gibt diese Szene ein Bild ab, dass einem/einer - zumal wenn das Herz eher links als rechts schlägt - das kalte Grausen kommen könnte. Gemeinsam marschieren nun Biermänner, ehemalige DKP-Knechte, ehemalige PDS-Leute (hauptsächlich westliche Altlinke) und andere dubiose Leute und haben dabei ein unschuldiges Ziel ihrer Menschheitsbeglückung gefunden: Die Juden bzw. die Israelis, von denen sich unzählige nicht mehr gegen diese Institutionalisierung wehren können. Man darf getrost anfragen, ob diese Fürsorge angebracht ist und gewünscht wird, etwas Gutes ist dahinter jedenfalls bei dieser Art von Fürsprechern nicht zu erwarten.

Nachdem ihr Lieblingsspielzeug - nämlich der Leninismus-Stalinismus - den wohlverdienten Ruhestand auf dem Müllhaufen der Geschichte gefunden hat, sind nach dem Verstreichen einer Schamfrist die Berufsspinner wieder aufgestanden, um sich einem neuen Objekt ihres Sendungsbewußtseins zu widmen. Dass sie dabei das Werk "nützlicher Idioten" für andere verrichten, stört diese rechthaberischen Elemente in bekanntem und schon immer gewohnten Maße sehr wenig. Das Hinwegsetzen über "Konventionen-" (zu denen wohl auch Vernunft zu zählen scheint) ist schließlich eines von deren obersten Prinzipien. Die Rolle als "Bürgerschreck" scheint manchem wichtiger, als das Nachdenken darüber, dass man damit doch wohl nur einem kleinbürgerlichen Spießer-Ideal entgegenkommt, nur eben umgekehrt proportional zum sonstigen Spießer-Klischee. Am sinnlosen Prinzip ändert dieser feine Unterschied rein gar nichts. Es sind frustrierte, oft dem Bürgertum entstammende Leute, denen ihr Leben zu langweilig geworden ist und auf der Suche nach einem "neuen Kick" sind.

Dass bei dieser Suche nach einem neuen Betätigungsfeld vor plumpen Anbiedern an (extrem-)israelische und (extrem-)amerikanische Positionen nicht haltgemacht wird, liegt wohl eher daran, dass diese Ideologie von "interessierter" Seite auch gern und dankbar genutzt wird und die "Linken" wieder einmal die "nützlichen Idioten" in einem perfiden Spiel geben dürfen. Eines werden und/oder wollen sie aber nie begreifen:
Der Feind liebt den Verrat, nicht den Verräter! Wenn die Mohren ihre Schuldigkeit getan haben, dürfen sie gehen und sie werden gehen, gegangen werden, springen, sausen ... eben verschwinden bis sich Reste dieses unglückseligen Häufchens erholt haben und ein neues Spiel ihrer Ideologieausübung gefunden haben, vielleicht mal zur Abwechselung dauerhafter und sinnvoller...


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Deutschland - ein Eingangstor für politische Abenteurer

Das einzige Volk, das versucht hatte - es gab ja bei aller Liebe genug Grund dafür - die Vergangenheit zu bewältigen, sind die Deutschen. Man kann und darf sich darüber streiten, ob diese Vergangenheitsbewältigung in vollem Maße gelungen ist. Sicher ist es aber ein wichtiger Versuch gewesen, der nicht unbedingt nur schlechte Ergebnisse hervor gebracht hat. Dass es dabei Schwierigkeiten gibt und gab, liegt bei der Schwere von individueller Schuld, individuellem Versagen und kollektiver Verdrängung der schwierigen "Problematik". Inwieweit anderen Völkern diese Aufarbeitung der Geschichte ebenfalls gut zu Gesicht stünde, sollte hier nicht erörtert werden, das würde in diesem Falle sicher zu weit führen. Aber nur noch so viel: Mir persönlich fallen mindestens zwei Völker ein, bei denen eine solche Aufarbeitung ebenfalls dringend angebracht wäre. Aber man soll in dieser Frage nicht auf Andere mit dem Finger zeigen, also genug damit...

Die Tatsache, dass in Deutschland so etwas wie eine Aufarbeitung der Geschichte stattfand und noch stattfindet, wird von interessierter Seite leider missbräuchlich oft dafür genutzt, um Ideologie zu transportieren. Dieser Zugang wird durch die kaum bewältigbare Vergangenheit des deutschen Volkes natürlich erleichtert. Inwieweit es sich hierbei um die von rechten, oft deutschen Ideologen hervorgeholten These von der "jüdisch-amerikanischen Weltverschwörung" handeln könnte, soll ebenfalls nicht Gegenstand einer hier vorgenommenen Untersuchung sein. Mir wird bei diesem Gedanken einfach unwohl und es wäre wohl sicher eine Form des " das Kind mit dem Bade ausschütten", der niemand wirklich gedient wäre.

Zurück beim Thema bedeutet dies, Deutschland bietet den besten Nährboden für das, was da auf uns zuzukommen sich anschickt bzw. sich bereits angeschickt hat. Dass Viele von diesen Dingen bei "Otto/Ottilie Normalverbraucher/in" überwiegend auf taube Ohren fallen, stört nicht wirklich, da die Entscheidungsträger eine andere (nur leider nicht immer vernünftige) Einstellung haben. Vorauseilender Gehorsam kann da sehr schlimme Dinge anrichten und wird es wohl noch tun. Eine typisch deutsche Eigenschaft eben, leider...


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Der Zionismus und der Nahostkonflikt

Aus deutscher Sicht ist Kritik am Zionismus fast unmöglich, sind doch die Bedingungen für das Wachsen gerade dieses Phänomens hier geschaffen worden. Die heutigen Deutschen haben sicher keine besondere Schuld daran auf sich geladen, aber die Verantwortung liegt sehr wohl noch hier. Das muss aber nicht heißen, dass jedes andere Volk frei von Verantwortung gestellt werden soll. Ich erachte das Annehmen der "arabischen Sache" für eine europäische Aufgabe, die aber nur im Zusammenwirken mit der iraelischen und amerikanischen Seite gelöst werden kann. Ein wie auch immer gearteter "deutscher Sonderweg" in dieser Frage verböte sich schon aus der Komplexität der Dinge.

Der Zionismus ist etwas, das durch "die Deutschen" zu etwas Überlebensstiftendem im Leben der Juden geworden ist. Nachdem der Zionismus anfänglich eine Utopie war und von verschiedenen Seiten sehr oft belächelt wurde, hat sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges das Ganze zur bitteren Realität entwickelt.

Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus mit seiner Schrift "Der Judenstaat" hatte eine Heimat für das jüdische Volk im Sinne. Erste Einwanderungswellen, welche im damals noch türkischen Palästina (nachdem z. B. mit dem La-Plata-Gebiet in Argentinien auch ein anderes Gebiet ins Auge gefasst worden war) zu verzeichnen waren, hatten noch den Charakter von idealistischen (also sehr europäischen) Zügen. So wurden die ersten Kibbuzim gegründet, es gab erstmals jüdische Berufe, die man vorher nicht oder kaum kannte. Der idealistische Teil der Juden begann damit, zum "ganz normalen Volk" zu werden.

Das Grundverständnis der idealistischen Siedler, dass die Juden ein Volk seien und nicht - wie es in der damals herrschenden und in großen Teilen übereinstimmenden Ideologie von Juden und Nichtjuden damals hieß - eine Religionsgemeinschaft, mag wohl am damals nicht sehr durchschlagenden Erfolg der ersten Zionisten gelegen haben. Die Mehrheitsverhältnisse sollten sich in den darauf folgenden Jahren noch dramatisch ändern und Züge von &Überlebenswillen und Erhaltung der physischen Existenz eines ganzen Volkes (oder einer zunehmend gefährdeten Religionsgemeinschaft) bedeuten.

Als Großbritannien (Stichwort: "Lawrence von Arabien") nach dem Ersten Weltkrieg als Nachfolger der Türken die Vormacht im Nahem Osten wurde, wurde die zionistische Siedlungsbewegung zwischen den Kriegen zunehmend größer und radikalisierte sich zunehmend, da zugleich auch in Europa der Druck auf die Juden größer wurde. Das Ganze verhielt sich in etwa proportional zueinander, was zu ersten ernsthaften Verwerfungen mit der arabischen Bevölkerung führte. Dem ist auch die Plünderung, Ermordung und Vertreibung der Juden aus Hebron zu schulden, dem ersten ernsthaften erbitterten Aufeinandertreffen beider Bevölkerungsgruppen. Die britischen Truppen führten fortan einen Zweifrontenkrieg, der für sie zermürbend wirkte, konnten sie doch die Sympathien keiner der beteiligten Seiten gewinnen.

Als sich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit Amerika eine neue Weltmacht anschickte, das Schicksal der Juden wohlwollend zu begleiten, war dies für die Briten der willkommene Grund, sich des ungeliebten Mandates über Palästina und Jordanien zu entledigen. Es ging nur noch um die Modalitäten des Rückzuges aus diesem Gebiet, denn totales Chaos wollte man nicht zurücklassen. Man stimmte also einem Teilungsplan der UNO (der von den arabischen Stammesführern abgelehnt wurde) zu und wartete die Gründung des Staates "Israel" und eines "arabischen Staates" ab. Dass die Gründung im Geschützdonner des von arabischen Stammesfürern begonnenen Kriges unterging, in dem dem die "Haganah" - die bereits in den 1920er-Jahren gegründete Selbstverteidigungstruppe der Juden und der Vorläufer der israelischen Armee - in ihrem Gegenangriff die verbliebenen arabischen Gebiete eroberte (etwas anderes hätte den Untergang Israels zur Folge), interessierte die Briten nicht mehr. Sie wollten nur noch weg aus diesem Land und dessen Problemen.

Einzig die arabischen Nachbarländer Ägypten (mit dem Gaza-Streifen) und Jordanien (mit der West-Bank und Ost-Jerusalem) hatten am Ende Gebietsgewinne zu verzeichnen, wenn auch diese Gebiete im UNO-Teilungsplan sowieso arabischer Herrschaft zugesprochen worden waren. Die arabischen Stammesführer Palästinas gingen leer aus, Israelis und ausländische Araber sollten das Bild fortan bestimmen.

Dass der erste Nahost-Krieg (und die meisten anderen ebenfalls - mit Ausnahme des Jom-Kippur-Krieges 1973, als die Israelis von Ägypten um 20 Kilometer vom Suez-Kanal vertrieben wurden) für die Israelis siegreich ausgegangen war, ist der Grund, warum dieser Staat überhaupt noch existieren kann. Denn eine Umkehrung des Szenarios hätte eine buchstäbliche "Vertreibung der Juden ins Meer" bedeutet, von der manch Araber noch heute träumt. Dies ist aber natürlich eine unrealistische "Perspektive".

Dass die Träger arabischer Entscheidungen in den letzten Jahrzehnten zunehmend islamische Fundamentalisten und nicht mehr arabische Nationalisten sind, macht die Sache nicht einfacher. Schließlich haben beide Bevölkerungsgruppen mittlerweile das gleiche Recht auf das gleiche Land, wenn auch in verschiedenen Grenzen. Eine Aussöhnung zwischen den Kräften ist somit in noch weitere Ferne gerückt, als dies ohnehin überhaupt jemals möglich schien.

Ein Anfang mit der Aussöhnung wurde ja mit der Achse Rabin-Arafat schon einmal gemacht und von Perez begleitet. Dass es aber eine so dramatische Wende in der israelischen Gesellschaft gegeben hat, dürfte die meisten überrascht haben. Erst der Anschlag auf Rabin (der große Verdienste als Generalstabschef der israelischen Armee bei der Schaffung der Grundlagen des Staates Israel hat - sollte man nicht vergessen zu erwähnen), dann der Regierungwechsel zu Netanjahu - dies kam einer Entmachtung der am Frieden mit den Arabern interessierten israelischen Kräfte gleich. Zugleich waren in den arabischen Gebieten staatsähnliche Einrichtungen entstanden (teilweise gefördert mit EU-Mitteln), die nun schrittweise dem Erdboden wieder gleich gemacht wurden. Der auf diese Weise abgewürgte Frieden war wohl eines der schrecklichsten Kapitel, die es im Nahost-Konflikt gegeben hat. Es war vor allem deshalb sehr bedenklich, weil wieder nach außen alle Vorurteile bestätigt schienen und Schindluder mit den Hoffnungen der Menschen getrieben wurde. Wer war daran schuld? Fragt doch mal Yigal Amir bzw. dessen Verwandte, fragt doch mal Baruch Goldstein bzw. dessen Verwandte, fragt doch mal die "Märtyrer" und ihre Anführer (alte Männer in den Hinterzimmern von Moscheen), welchen Sinn solche Maßnahmen haben. Fragt vor allem nach den Hintermännern, aber ihr werdet auf diese wohl berechtigten Fragen keine richtigen Antworten bekommen. Die Menschen haben jedenfalls nichts davon.

Die neueste Idee israelischer Sicherheitsbemühungen ist der große Zaun. Das ist zwar eine im Grunde schlechte Idee (die Mauer lässt grüßen), aber wohl im Angesicht der verheerenden Anschläge der letzten Zeit das einzig verbliebene Mittel der Konfliktbewältigung, das noch übrigbleibt. Dass ausgerechnet der ausgewiesene Hardliner Sharon im Ministerpräsidentenamt nun auch gleichzeitig mit dem Niederreiß der israelischen Siedlungen (geht aufgrund der beabsichtigten Trennung der Völker logischerweise konform mit dem Mauer-Schritt) in den arabischen Gebieten konfrontiert wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie der Geschichte. Dieser Schritt ordnet sich aber bei Licht besehen in die ganz normalen Sachzwänge ein, denen ein solches Amt nun einmal unterliegt. Als "Wohnungsbauminister" war Sharon noch für das Wachsen und Gedeihen der Siedlungen verantwortlich, deren Abriss er nun zu Recht veranlassen muss.

Einen "Schönheitsfehler" hat die Mauer allerdings: Sie steht größtenteils auf arabischem Gebiet, birgt also damit den Kern für erneutes Suhlen im Unrecht, was einem die "Besatzungsmacht" angetan hat. Vielleicht lässt sich der "Fehler" korrigieren bis da mehr draus wird? Jedenfalls eines steht fest: Die Israelis müssen selbst arbeiten und nicht für jeden Blödsinn arabische Arbeitskräfte holen, sie müssen sich (sicher auf Zeit) erst mal von ihren arabischen Nachbarn trennen, sie müssen die Siedlungen aufgeben. Die EU wiederum muss (wenn sie denn jetzt von den Israelis und Amerikanern wirklich und dauerhaft herangelassen wird) in den arabischen Gebieten geeignete Infrastrukturmaßnahmen schaffen, die die Israelis nicht bedrohen, sondern allenfalls mit ihnen konkurrieren. Nur so kann es Frieden geben oder zumindest einen Zustand, der dem sehr nahe kommt.


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Der "Anti-Semitismus"

Es gibt kaum einen blöderen Begriff, um der Sache gerecht zu werden. Dieser Begriff ist über alle Maßen von Ideologie überfrachtet und wird sehr oft von Leuten benutzt, die nicht einmal wissen, was "Semiten" überhaupt sind. Die Beantwortung der Frage nach dem "Anti-Semitimus" ist normalerweise nichts anderes, als die Frage nach jedem anderen "Anti-...-ismus" überhaupt (z. B. Antigermanismus, Antiskandinavismus, Antipolonismus usw.). Dieser und egal welcher stellt nämlich schlichten Rassismus dar und es wird aber anhand von ideologischen Aufwand besonders zu klären sein, warum ausgerechnet der Anti-Semitismus etwas so gründlich anderes sein soll. Ich freue mich darauf, dem gängigen Vorurteil einen weiteren verdienten Fußtritt zukommen zu lassen!
Fangen wir also mit den Fragen an, die dieses Thema aufwirft:



Was sind eigentlich SEMITEN?

Also, hier erlaube ich mir einfach mal, etwas weiter in der Geschichte auszuholen:
Aus dem Alten Testament der Bibel ist SEM, der Stammvater der SEMITEN überliefert. Er war ein Vorfahr Abrahams (die Araber nennen ihn IBRAHIM), ein Sohn des großen Seefahrers Noah und ein Bruder von HAM. Somit spricht man auch von der Semito-Hamitischen Sprachfamilie, zu der neben dem modernen IVRIT (eine Art Neuhebräisch und die heutige Amtssprache Israels) auch das Arabische und die Stammessprachen der Berber und Kuschiten in Nordafrika gehören.

Zu den Semiten im engeren Sinne gehören also unbedingt auch die Araber. Dass dies auf gemeinsame Wurzeln zurückgeht, liegt zwar lange zurück, ist aber eine Tatsache, an der man nicht vorbeikommt. Jüdische bzw. israelitische Stämme unterschieden sich allenfalls durch ihre Religion von den Arabern, die nomadische Lebensweise war ursprünglich die gleiche. Die Einwanderung semitischer Stämme in das aus dem Alten Testament der Bibel überlieferte "gelobte Land" erfolgte in mehreren Schüben bei dem gleichzeitigem Entstehen einer neuen Religion. Dass dies eine monotheistische war (bzw. sich durch Auslese dahin entwickelt hatte) war das eigentlich revolutionäre Element. Es ist auch die Einzigartigkeit, die damit verbunden war, denn etwas Ähnliches sollte sich in der Geschichte weder zuvor noch danach jemals wieder entwickeln. Die beiden anderen monotheistischen Welt-Religionen Christentum und Islam stammen ja letztlich vom aus sich selbst heraus entstandenen Judentum ab.

Die eingewanderten Juden führten also während ihrer Wanderung die neue Religion in das gelobte Land ein, während der Großteil ihrer vorislamisch geprägten Verwandten noch der typisch arabischen animistischen Tradition verhaftet blieben. Es gab aber immer Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Stämmen. Durch das Offenhalten der Handelswege (insbesondere Karawanenstraßen und deren Stützpunkte) gab es immer einen regen Austausch von Aktivitäten, durch welchen auch weiterhin durchaus von einer gesamtsemitischen Zusammengehörigkeit gesprochen werden kann.

Mit dem weiteren Wachsen der Zivilisation in Palästina, der babylonischen Gefangenschaft, des makkab&lauml;ischen Krieges und der zunehmenden Diaspora der Juden in der westlichen Welt (es gab im Übrigen auch eine "sephardische" Diaspora der Juden in der arabisch-islamischen Welt) verlor der Beobachter in Europa die Juden in deren Heimat aus den Augen, sie waren ja inzwischen in großer Anzahl hier angekommen. Sie lebten hier manchmal als willkommene Gäste, manchmal als "Geduldete", manchmal als unwillkommene Fremde. Je nach Lust und Laune der jeweiligen Meinungführer wurden "die Juden" immer wieder verschiedenen Zwängen ausgesetzt, was über Jahrhunderte so lief. Was diese Praxis zuließ, war die Religion der Juden. Niemand von außen durfte in die Gemeinde, niemand von drinnen aus ihr hinaus. Zumindest gelang das Überwinden der Gemeindegrenzen nur unter großen Schwierigkeiten. Somit war das einzige Bild, das die nichtjüdischen Europ&lauml;er von den Semiten hatten, die Realität jüdisch-religiöser Gemeinden und somit war ein Anti-Semit damals schlichtweg jemand, der die Juden nicht leiden konnte.

Aber spätestens seit den Kreuzzügen hätte es den Europäern zu denken geben müssen, dass es mit den "Sarazenen" (Arabern) noch mindestens ein anderes semitisches Volk gibt. In den darauf folgenden Mongolen- und Türkenkriegen, als zwar der Islam das Feindbild Europas wurde aber keine "semitische Gefahr" mehr drohte (schließlich waren die Mongolen und Türken keine Semiten), war "die Welt wieder in Ordnung" und Semiten waren nur die Juden.

Dass sich dieser über Jahrhunderte gewachsene Begriff in einer globalisierten Welt nicht länger halten lässt, liegt auf der Hand. Heute stehen uns die Araber vor die Haustür und sind zum Teil aber auch in unsere gewachsenen europäischen Zivilisationen in nicht unbeträchtlicher Zahl eingewandert. Man mag das bedauern oder nicht, eine Tatsache ist es trotzdem. Wir müssen mit ihnen leben, ob wir wollen oder nicht, sie mit uns aber auch. Da gilt es einen Modus-vivendi zu finden, bei dem Begriffe wie "Anti-Semitismus" einen wahren Antichronismus darstellen. Dies ging in jüngster Zeit sogar so weit, dass Arabern "Anti-Semitismus" unterstellt wurde, was ein bezeichnendes Licht auf die Verfasser solcher Sprüche wirft.


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Warum ist dieser Begriff so ideologieüberfrachtet?

Das liegt wohl zum Einen an der besonderen Situation vom "ausgewählten Volk" (gibt es im Alten Testament der Bibel), dem alles und jedes heilig erscheinen lässt und damit sehr stark religiös erscheinen lässt. Lasst die Juden doch endlich zum normalen Volk werden, es gibt mehr säkulare Juden, als manche Ideologen den Menschen einzureden versuchen. Geht doch mal nicht nach Jerusalem, sondern nach Tel Aviv und ihr werdet es sehen und merken. Trampelt allerdings nicht auf den religiösen Gefühlen der Menschen herum (macht man ja ohnehin bei Niemandem, ganz gleich, welcher Religionszugehörigkeit), aber lasst sie ein ganz normales Volk (oder von mir aus eine ganz normale Religionsgemeinschaft wie Katholiken oder Protestanten) sein. Dieses Heben auf einen Sockel wird dem Leben vieler Juden und Israelis einfach nicht gerecht.

Vielleicht führt das baldige Aussterben der Täter- und der Opfergeneration zu einer zunehmenden Entkrampfung, aber bitte so, dass sich die Geschichte nicht wiederholen wird. Vielleicht werden dadurch die größten der ausgelegten Fallstricke beseitigt, ohne hochgehen zu müssen. Ich weiß, dass diese Einstellung einige Risiken birgt, die mir möglicherweise angekreidet werden, aber ich glaube trotzdem, dass dies der einzige Weg aus dem Dilemma ist. Lasst uns aber diesen Weg gemeinsam gehen und niemanden unverstanden in der Schmollecke sitzen lassen, das könnte nämlich den Kern für künftige Missverständnisse liefern.


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Ist jede(r) ein Opfer des "Anti-Semitismus", der/die dies für sich reklamiert?

Definitiv ist dem nicht so! Wenn z. B. ein Herr M. F. mit dieser Parole hausieren geht, wird dieser Begriff entgültig ad absudum geführt, wenn er es nicht (durch siehe oben) ohnehin schon ist. Natürlich darf man nicht den Fehler machen, diesen Begriff durch flapsige und falsche Benutzung noch weiter zu (un-)kultivieren.

Ein unbefangener Umgang mit diesem unsäglichen Unwort (also am besten, es nicht oder nicht so benutzen wie dies bisher praktiziert wurde) kann diesen Begriff auf das dafür annehmbare Niveau herunterführen. Vielleicht kann durch den mutigeren Umgang (nicht allerdings unsensiblen) endlich die Unmöglichkeit dieses Begriffes klar zu machen verholfen werden. Es wäre ein Segen!


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Wer sind diese Kräfte?

Wenn es sich um klassische Linke handelt, dann meist "Westlinke", mittlerweile auch jüngere Ostlinke (denen ein langes Schicksal in einer Diktatur entweder nichts ausmachte oder sie dieses nicht im ausreichendem Maße erleben mussten) und politische Abenteurer wie Biermann und Konsorten, die nicht oder sogar freiwillig aus reiner politischer Abenteuerlust in einer kommunistischen Diktatur leben mussten - nein wollten. Sätze wie (sinngemäß): "Wer mit 20 kein Kommunist war, hatte kein Herz, wer es mit 40 immer noch ist, hat keinen Verstand" sagen doch eine ganze Menge über die Ernsthaftigkeit dieser Zeitgenossen aus, oder? Der Grad an geistiger Verfettung ist in diesem Falle zum Himmel schreiend und für keine wirklich sinnvolle politische Auseinandersetzung inspirierend. Nein, Danke, mit solchen Leuten nicht! Somit ist dieses Thema sehr kurz abzuhandeln, denn ein ausgiebiger Diskurs über die Befindlichkeit dieser Leute ist des Schreibens nicht wert!

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Welche Chancen eröffnen sich für sie?

Wenn es Linke sind, überhaupt keine! Die suchen krampfhaft nach einem Betätigungsfeld, dass ihnen fast jedes Mittel recht ist, um im Rampenlicht zu stehen. Sie können wohl sicher eine zeitlang Verwirriung stiften, aber wirklich etwas bewirken können sie nicht. Das Land, der Kontinent, die Welt haben derzeit andere und drängendere Probleme, als sich um die Befindlichkeit gerade dieser geistigen Größen zu kümmern.

Wenn es Rechte oder "kalte Krieger" sind, dann haben sie sicher ein paar mehr Chancen, aber auch da steht nichts wirklich Großartiges zu erwarten. Wenn ein gestandener kalter Krieger und Geschäftsfreund von Bush sr. wie Donald Rumsfeld vom "alten Europa" schwadroniert, erinnert das eher an Ulbrichts und Honeckers Versuche, witzig zu sein. Zumindest wirken diese Worte aus diesem Munde ähnlich lächerlich. Aber Manchem scheint mittlerweile der Blick dafür getrübt zu sein und es gehört mittlerweile zu den Aufgaben, dies klar zu machen. Die Geschichte wiederholt sich ständig und ständig muss korrigierend eingegriffen werden...wie langweilig...


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Was kann Europa dem Ganzen entgegensetzen?

Sehr viel! Hier liegt die Chance für die Zukunft überhaupt. Dabei muss natürlich mit Augenmaß vorgegangen werden. Zwischen einem "Direktorium" aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien (dessen Zustandekommen ja im Prinzip richtig ist) und einem Kurs, der auch den osteuropäischen Beitrittsländern gerecht wird, muss der rechte Mittelweg gefunden werden. Dabei muss allerdings den "trojanischen Eseln" mit einer gewissen Bestimmtheit gesagt werden, dass es nur die Möglichkeit der EU-Mitgliedschaft oder der Existenz als 51. Bundesstaat (bzw. 52., 53., 54. ...usw.) der USA gibt. Einen Mittelweg kann und soll es nicht geben.

Europa ist der schlafende Riese, auf den viele mittlerweile sehnsüchtig warten. Amerika (als selbst ernannte "übrig gebliebene" Weltmacht) kann es allein nicht richten, da war und ist der Irak-Krieg ein lebendiges Beispiel. Es wird weltweit nach einer europäischen Komponente gesucht. An der sollten die Deutschen mitarbeiten, ohne jedoch als größtes Land die anderen zu dominieren. Derzeit wäre bei der Pannenserie in der deutschen Politik auch kaum Spielraum für derartige Experimente - also den Ball schön flach halten und einfach weiter arbeiten!

Die Konkurrenz zu den USA muss gesundet werden. Das heißt, den Leuten in Amerika muss die europäische Position klar gemacht werden, ohne dieses Land zum Feind zu machen. Konkurrenz und Rivalität ist gut, im Bedarfsfall muss und sollte Zusammenarbeit die Szenerie aber dominieren. So oder so ähnlich kann und sollte "atlantische Solidarität" in Zukunft aussehen, nicht als Bittsteller, sondern als gleichberechtigter Partner Amerikas. Mit dieser Position können ganz sicher auch die derzeitigen Beitrittsländer mehr anfangen, als mit dem Chaos zur Zeit des letzten Irak-Krieges.

Wie kann man das erreichen? Europapolitik sollte nicht als Spielball des Weglobens "verdienstvoller" Landes- oder Bundespolitiker betrachtet, sondern als das uns einigende Band gemeinsamer globaler Verantwortung betrachtet werden. In Europa liegt unsere gemeinsame Zukunft, in der Welt unser Zuhause. Die Globalisierung sollte angenommen und aus der in Wirklichkeit bisher als verwilderte "Amerikanisierung" der Welt eine tatsächliche Globalisierung gemacht werden. Eine neue Weltordnung, ja so etwas wie eine "Weltinnenpolitik" ist infolge der Globalisierung dringender nötig denn je.


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Welche Wirkung hat das Ganze auf die jüdisch/israelische Linke?

Zunächst einmal fühlen sich die meisten Israelis (und auch die sonst in der Welt lebenden Juden) als ganz normale Bürger eines ganz normalen Landes, wenn auch mit einer etwas besonderen Vergangenheit. Mittlerweile sind die meisten Bürger Israels nämlich "Sabras" (also im Lande Geborene) und somit tritt die Generation der Einwanderer immer mehr zurück und bestimmt immer weniger den Alltag des Landes.

Somit bildet sich mehr oder weniger eine ganz normale Klassenzusammensetzung, wie es sich in jeder anderen Gesellschaft ereignet. Deshalb bilden sich neben Rechten, Populisten, religiösen Kräften (traditionell in der israelischen Politik stark aber nicht mit einer Stimme sprechend), arabischen Kräften, eben auch linke Kräfte.

Leider gibt es im Falle von Israel ein sehr starkes Interesse des Auslandes, insbesondere von wichtigen Kreisen in den USA. Dadurch wird oft politischer Einfluss ausgeübt, welcher linken Kräften eisigen Wind ins Gesicht blasen lässt. Die Linken in Deutschland scheint dies nicht sonderlich zu stören oder zu interessieren. Schließlich hat man sich für die "richtige" Seite damals festgelegt und damit ist alles als in Ordnung zu betrachten. So gehen die Lemminge immer weiter und sie gehen konsequent den ihnen von außen vorgegebenen Weg weiter, von dem sie nicht einmal wissen, wohin er führen wird.


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Welche Wirkung hat das Ganze auf die arabisch/islamische Linke?

Gibt es die überhaupt noch? Ist nicht der arabische Nationaliksmus, der linke Aufbruch Arabiens und der übrigen islamischen Welt durch den plumpen islamischen Fundamentalismus ersetzt worden? Vielleicht weht doch ein Hauch von frischen Wind unter den Kaftanen irgendwann mal hervor. Es bleibt zu hoffen, dass etwas davon überwintert, es bleibt zu hoffen, denn mit diesen Kräften lässt sich aus meiner Sicht besser verhandeln, als mit den heutigen (wohl aus Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten finanzierten) Nachthemd-, Turban- und Kalaschnikowträgern.

Arabische Nationalisten streben etwas an, das sich diametral vom Streben nach "Märtyrertum" unterscheidet. Dies wäre eine neue (alte) Qualität, deren Potenzial bei dessen Erscheinen endlich einmal für sinnvolle Zwecke genutzt werden sollte.


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Welche Wirkung hat das Ganze auf die Linke überhaupt?

Einen verheerenden Einfluss heutzutage, einen schwindenden Einfluss mittelfristig, einen positiven langfristig. Ja, die überwiegend positive Bilanz baut auf die Vernunft auf, der sich auch linke Ideologen nur begrenzte Zeit aussetzen dürfen, bevor sie zur Besinnung kommen. Dies ist jedenfalls die Hoffnung auf eine Besserung, im Verlaufe deren Herbeiführung hoffentlich nicht zu viele Menschen zum Opfer fallen werden. Schließlich entstammen diese Zeilen von einer, die das Agieren auf gar keinen Fall den rechts-konservativen Kräften zu überlassen möchte. Wirkliche Veränderungen der Gesellschaft können aus diesem Grunde nur von links kommen (kamen die schon einmal woanders her?), aber nicht so! Dies wäre zu platt und entspricht unterstem Stammtisch-Niveau, ohne diese Institution beleidigen zu wollen.

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Überflüssige Webseiten

Ich habe hier eine kleine Auswahl von Weblinks bereitgestellt, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, wovon in meinem Beitrag die Rede war. Dies ist längst nicht alles, was es zu diesem Thema in den endlosen Weiten des Internet zu finden gibt. Wenn ich mal wieder etwas Interessantes finde, erde ich dies zu meiner Auswahl hinzufügen.

Bahamas - Ein Kampfblättchen für geistige Tiefflieger

Lizas Welt - man gibt sich betont "antideutsch"

Tanja Krienen - eine Seite, deren Inhalt wohl zu den skurrilsten Randerscheinungen des gesellschaftlichen Spektrums zählt.

Campo de Criptana - Ein Sammelsurium wirrer Ideen - herausgegeben von Tanja Krienen

Gruppe Morgenthau - der Name sagt eigentlich schon alles


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Demnächst

Demnächst wird hier eine weitere Abhandlung erscheinen, die die (vermeintliche) Gegenposition darstellt. Es gibt nämlich auch aus einer linken Bewegung hervor gegangene Elemente, die sich Anleihen aus faschistischen Theorien bedienen und von der jüdischen Weltverschwörung schwadronieren, die die gesamte Welt bedroht. Vieles aus der dortigen Argumtation erinnert an "Mein Kampf", insbesondere die Meinung, dass sich so gut wie jedes Problem auf die Existenz der Juden zurückführen ließe.


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