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9.Tag (5. Juni)
Gudow - Ratzeburg - Dassow - Priwall - Lübeck-Travemünde - Grömitz - Dahme (100 km)


Es geht weiter nach Norden. Ratzeburg war die nächste Stadt an meinem Weg. Diese Stadt am Ratzburger See ist bekannt durch ihren Ruderclub und ihre Nähe zu den ehemaligen Sperranlagen der DDR, zu der ein Teil des Seeufers gehörte.

Deshalb kam ich kurz hinter Ratzeburg nach Meckpomm (offiziell natürlich Mecklenburg-Vorpommern). Auf nun noch ruhigeren Straßen, welche allerdings von der Qualität des Belages noch ein wenig an DDR-Zeiten erinnerten, ging es nun nach Schönberg. Diese Kleinstadt ist vor allem deshalb bekannt, dass hier zu DDR-Zeiten gegen Zahlung von West-Devisen die größte Sondermüll-Deponie Europas unterhalten wurde.

Weiter nördlich kam ich nach Dassow, einer Kleinstadt, die früher wegen ihrer Grenznähe im Sperrgebiet lag. Der Dassower See, eine Verbreiterung der Trave-Mündung, liegt schon in Schleswig-Holstein, während das Ufer noch zu Mecklenburg gehört. In DDR-Zeiten hieß dies also, dass der See vor der eigenen Haustür für die Bewohner Dassows im unerreichbaren Westen lag und durch eine Mauer von der Stadt getrennt war.

Es ging nun weiter nach Pötenitz an der Trave-Mündung. Auf dem wege dahin sah ich hin und wieder die Trave, die hier sehr breit und tief ist. Dies schaffte in der Vergangenheit die natürlichen Voraussetzungen für die Anlage eines geschützten Hafens und die Stadt Lübeck. Auf der Trave sah man sehr viele Schiffe, ich war nun also an der Küste angekommen. In Pötenitz, dem letzten Ort in Meckpomm, kam ich auf den ehemaligen Postenweg der Grenztruppen der DDR und über diesen erstmals an das Meer. Es ist für mich jedesmal ein erhebendes Gefühl, wenn ich an das Ufer des endlosen Wasser komme. Ich nahm auch sofort ein Bad in den noch recht kühlen Fluten.

An dieser Stelle konnte man nun besonders gut die Unterschiede zwischen Mecklenburg und Schleswig-Holstein erkennen. Während auf der östlichen Seite der Küste Bäume und Sträucher, also Natur das Bild bestimmten, waren auf westlicher Seite vor allem Betonklötze zu sehen.

Über die Halbinsel Priwall und den gleichnamigen Stadtteil der Stadt Lübeck kam ich nun an die Fähre, welche über die Hafeneinfahrt für den Lübecker Seehafen und den Travemünder Fährhafen führt. Mit der kleinen Autofähre kam ich nun nach Travemünde, dem Seebad und nördlichsten Stadtteil Lübecks. Hier herrschte unendlicher Rummel mit gigantischen Menschenmassen. Ich kam mir vor wie in einer Großstadt.

Übergangslos reihten sich nun nach Travemünde noch die Seebäder Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Haffkrug aneinander, die alle Unmengen von Beton und Menschenmassen gemeinsam hatten. Coole Typen in Cabrios mit Sonnenbrillen (haben wohl zu viel Miami Vice oder Baywatch gesehen?) rundeten das entsprechende Bild noch ab.

Ab Neustadt in Holstein wurde es wieder etwas erträglicher. Über die Ostseebäder Grömitz und Kellenhusen kam ich schließlich nach Dahme, einem kleineren und weniger (möchtegern-) mondänen Ostseebad, wo ich auf einem kleinen Campingplatz gleich hinter den Dünen mein Zelt aufschlug.

Natürlich ging ich sofort an den Strand und nahm ein Bad in den kühlen Fluten der Ostsee. Hier gab es die Besonderheit, dass es überall Kassierer gab, die die Kurtaxe für die Gemeindekasse eintrieben. Mit 5 Mark sind sie dabei, ich auch. Aber das konnte meine gute Stimmung nicht verderben, am nächsten Tag ging es ja weiter auf dem Weg nach Skandinavien.



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