Chapter 2 - Youth and puberty

last update on 12th of October, 2009


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Zunehmende Verunsicherung durch den Beginn der Pubertät

Mit Beginn der Pubertät verstärkten sich meine inneren Konflikte. Zu meiner Sehnsucht und deren bis dahin gelegentlich recht "erfolgreichen" Verdrängung kamen nun auch noch sexuelle Phantasien und zwar verschiedener, ja sogar gegensätzlicher Art. Nachdem anfangs die "normalen", auf weibliche Partner fixierten typischen Männerphantasien (Oder waren es eher lesbische Vorstellungen? Ich weiß es bis heute noch nicht so richtig.) durchaus vorhanden waren, kamen recht bald und zunehmend Vorstellungen, in denen ich mir ein typisch weibliches Rollenverhalten einem Mann gegenüber vorstellte. Obwohl es aus meiner damaligen Sicht und aufgrund meines damaligen Wissens völlig illusorisch war, hatte ich nach relativ kurzer Zeit praktisch nur noch diese Art von sexuellen Phantasien. Ein erfülltes Sexualleben konnte unter solchen Bedingungen praktisch niemals stattfinden. Meine Sehnsüchte waren unerfüllbare Illusionen, das wiederum, was eigentlich möglich war, interessierte mich nie besonders. Dies prägte dann letztlich auch mein Verhältnis zur Sexualität und zum "anderen" Geschlecht. Es gab zwar einige Annäherungsversuche, aber wohl eher deshalb, weil ein Mann eben so etwas tut. Diese Rolle hatte ich nun mal und versuchte sie auch weiterzuspielen, obwohl das durch das mangelnde Interesse an Sex allmählich immer schwieriger wurde. Somit waren sämtliche (so viele waren es ja auch gar nicht) meiner eher halbherzigen Annäherungsversuche an das weibliche Geschlecht ein purer Reinfall. In solchen Momenten kam es mir dann immer so vor, als stände ich neben mir und würde mich fragen: "Was machst Du hier eigentlich?"


Erste Versuche des "Auslebens" meiner Phantasien

Während dieser Zeit begann ich auch, in unbeobachteten Momenten Sachen aus dem Kleiderschrank meiner Mutter anzuprobieren. Da ich nun inzwischen zu alt war, um mit meinen Eltern in den Urlaub zu fahren, habe ich stets vor allem diese Zeit dafür nutzen können. Es erregte mich sehr stark, mich als so etwas Ähnliches wie ein weibliches Wesen im Spiegel zu sehen. Damit und mit Hilfe entsprechender Phantasievorstellungen habe ich mich dann stets selbst befriedigt, empfand danach ich aber immer einen tiefen Ekel vor mir selbst. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, weil ich solche "perversen Gedanken" hatte und nun sogar auch noch anfing, diese teilweise auszuleben. Ich zog mich also jedesmal wieder um, nur um nach einer Weile das Ganze wieder von vorn zu beginnen. Da ich dabei natürlich unbeobachtet bleiben wollte, habe ich mich so manchmal tagelang diesem Treiben hingegeben und oft an den schönsten Sommertagen das Haus nicht verlassen. Es war also ein ständiges Wechselbad der Gefühle, welches mich nun zu belasten begann und für die nächsten Jahre und Jahrzehnte begleiten sollte.


Der Name Angelika

In dieser Zeit habe ich mir auch zum ersten Mal Gedanken über einen weiblichen Namen gemacht. Der Name Angelika hat mir damals ziemlich gut gefallen, hat er sich doch schon in der Kindheit in mein Gehirn eingebrannt. Viele gleichaltrige bzw. wenige Jahre ältere Mädchen hießen so und so war dieser Name für mich damals quasi der Inbegriff der Weiblichkeit geworden. Seit dieser Zeit habe ich mich zumindest in den "weiblichen Phasen" immer selbst für mich so genannt. Ob ich mich heute noch so nennen würde, vermag ich nicht zu sagen, aber ich behielt diesen Namen einfach bei. Es ist so, dass ich diesen Namen schon so lange habe, dass ich ihn faktisch als gegeben betrachte.


Wachsende Vereinsamung

Die Vorstellung, dass ich nun ein Mann werden sollte, verunsicherte mich zunehmend. Ich wusste damals nicht so richtig, wie ich dieses Gefühl einordnen sollte, aus heutiger Sicht war es wohl ein beginnendes Unbehagen über meine künftige Münnerrolle, was ich mir damals selbst nicht einzugestehen wagte. Als Junge kam ich trotz aller Probleme noch halbwegs zurecht, aber ein Mann zu sein, mit allem was man von diesem verlangt oder erwartet, widersprach doch zumindest unbewusst meinen Vorstellungen. Nach außen spielte ich aber sehr wohl diese Rolle, irgendwie auch mir selbst gegenüber. Erschwerend kam dann auch noch hinzu, dass ich mit zunehmenden Alter infolge regelrechter Fressattacken, welche ich heute als "Frustfressen" bezeichnen würde, immer dicker und damit unansehnlicher wurde. Diese Tatsachen änderten mein Ansehen unter Gleichaltrigen sehr zu meinem Ungunsten. Während ich als Junge trotz vieler Probleme noch verhältnismäßig geachtet war, wurde ich zunehmend zu einem Einzelgänger.

Als ich nach dem Ende der Schulzeit eine Lehre als Elektriker begann, habe ich durch die damit einhergehende Veränderung meines sozialen Umfeldes erneut und nun noch mehr Probleme gehabt, Freunde zu finden. Ich hatte zwar nach wie vor Kontakt zu einigen meiner alten Klassenkameraden aus der Schulzeit, aber dadurch, dass sie einer nach dem anderen irgendwann eine Freundin hatten, sind diese alten Bindungen allmählich immer lockerer geworden und in vielen Fällen irgendwann ganz verschwunden. Ich wurde zusehends einsamer und begann, mich in dieser Einsamkeit notgedrungen einzurichten. Ein ständiger Begleiter durch alle meine Beurteilungen zu dieser Zeit war zum Beispiel der Satz: "Matthias hat großes Probleme, sich in das Kollektiv einzuordnen." Ich mied allmählich auch bewusst die Nähe zu Anderen, schon aus der ständigen Angst, dass ich mal wieder gefragt werden konnte, ob ich denn immer noch keine Freundin hätte. Ich wusste wirklich keine richtige Antwort darauf, schließlich war mir ja selbst nicht einmal klar, was ich eigentlich wollte. Diese Verunsicherung beschäftigte mich sehr stark und ich wollte sie nicht auch noch zur Schau stellen. Das hätte mich womöglich noch verletzbarer gemacht, als ich es ohnehin schon war, obwohl ich mir dies nicht immer anmerken ließ.



Resümé

Zusammenfassend kann ich über meine Jugend sagen, dass diese Zeit, die ja eigentlich die schönste im Leben ist oder zumindest sein kann, eine sehr traurige Epoche in meinem Leben dargestellt hatte. Was bei den meisten Anderen die Zeit des Entdecken neuer Möglichkeiten, der Beginn der Persönlichkeitsentfaltung und die Erwartungsfreude auf die Zukunft war, hat bei mir nur Ernüchterung und Verunsicherung bewirkt. Es war der Beginn einer Zeit, in der ich damit begann, mich oder zumindest Teile meiner Persönlichkeit lebendig zu begraben und mich immer weiter in mein Mauseloch zu verkriechen. Meine Jugend war die Vorstufe für den traurigsten Abschnitt meines Lebens. Diese Jahre, also die Zeit zwischen 20 und 40, sollten bei mir Jahre einer tiefen Perspektivlosigkeit werden. In meiner Jugendzeit bekam ich erste Vorahnungen von dieser traurigen Epoche und ich wundere mich immer wieder, wieso ich diese überhaupt überlebt haben konnte.




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Chapter 3 - My parents

Here ist an overview for all chapters:
Chapter  1 - Childhood Chapter  6 - Escape to the West Chapter 11 - My working life
Chapter  2 - Youth and puberty Chapter  7 - To try a new beginning Chapter 12 - Bad health strikes
Chapter  3 - My parents Chapter  8 - The important decision
Chapter  4 - The "lost decade" Chapter  9 - The change in social role
Chapter  5 - The last years in East Germany Chapter 10 - The change will be permanent

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