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10th day, Sunday, 1993 - 06 - 06
Dahme - Burg (Femarn) - Puttgarden - Ferry across the Fehmarnsund - Rødby - Maribo - Sakskøbing - Vordingborg (59.0 Miles)


Es sollte an diesem Tage wieder sehr heiß werden und deshalb genoss ich die Morgenkühle noch einmal. Über Nebenstraßen kam ich nach Großenbrode, wo es eine große Brücke über den Femarn-Sund gibt. Hier sollte ich einen Vorgeschmack auf Skandinavien mit seinen riesigen Brücken bekommen, die sich aufgrund des starken Seewindes meist relativ schwer befahren lassen. Aber der Seewind hat zugleich auch etwas Erfrischendes, zumal wenn dann auch noch die Sonne bei blauem Himmel dazu scheint.

In Burg, dem größten Ort auf der Insel Femarn, rief ich in einer Telefonzelle letzmalig einige Bekannte an, um mich erst einmal für eine Weile aus Deutschland zu verabschieden. Der Wind wurde nun immer stärker und schließlich erblickte ich schon von Weitem den Fährhafen von Puttgarden.

Am Fährhafen wollte ich mich (wie es sich für einen gelernten DDR-Bürger wohl zu gehören scheint) an der Schlange der überfahrtswilligen Verkehrsteilnehmer ganz hinten anstellen, ich kannte ja die Gepflogenheiten auf den großen Fähren noch nicht. Aber ein Hafenmitarbeiter bedeutete mir, dass ich nach vorn kommen könne und fuhr ich mit meinem vollbepackten Fahrrad ganz nach vorn. Nach einer Weile bekam ich Gesellschaft, ein junger Mann mit einem ähnlichen Gefährt baute sich neben mir auf. Er sprach mich auf Englisch an und nachdem wir uns vorgestellt hatten (leider habe ich seinen Namen vergessen) fragte ich, wo er herkomme. "Australia", sagte er, aber ich habe wohl irgendwie gemeint, "Austria" verstanden zu haben. Daraufhin sprach ich Deutsch weiter und bemerkte, dass er mich nur schlecht zu verstehen schien. Er war tatsächlich aus Sydney und war auf großer Europa-Tour mit dem Fahrrad. Er hatte in der Schweiz begonnen und war durch ganz Deutschland mit dem Fahrrad gefahren. Dann wollte er weiter nach Skandinavien und von dort weiter nach Osteuropa. Somit hatten wir für diesen und den nächsten Tag den gleichen Weg.

Nun hatte ich also die Fahrt durch Deutschland geschafft. Die Überfahrt zur dänischen Insel Lolland dauerte genau eine Stunde, man konnte von Puttgarden nach Rødbyhavn herüber sehen. Dort angekommen, hielten wir uns nicht allzu lange dort auf, es gab außer dem Fährhafen dort wirklich nichts Besonderes.

Nun ging es weiter nach Rødby, einem kleinen beschaulichen Städtchen wenige Kilometer im Landesinneren von Lolland. In Dänemark sehen die Häuser ganz anders aus als in Deutschland. Die Architektur ist zwar annähernd gleich, aber die Häuser sind dort sehr oft bunt angestrichen und geben somit ein ganz anderes Bild ab, als man das von Deutschland her kennt. Eine weitere Besonderheit ist der Fahnenmast, der vor fast jedem Haus steht. Jeden Morgen wird da der "Danebrog", die dänische Nationalflagge gehisst und am Abend wieder eingeholt. So viel Patriotismus muss sein.

Weiter ging es durch die kleinen Städchen Maribo und Sakskøbing zum Guldborg Sund, der die Inseln Lolland und Falster voneinander trennt. Der Sund ist relativ schmal und so genügt eine kleine Brücke, um diesen zu überqueren. Nach einigen Kilometern durch den nördlichen Teil der Insel Falster kamen wir nun an den Storstrømmen. Hier ging es hinüber zur nächsten Insel, der Insel Seeland, die zugleich die größte Dänemarks ist und auf der auch die Hauptstadt Kopenhagen liegt.

Wir überfuhren die "Storstrømmensbron", also die sehr hohe und mehrere Kilometer lange Brücke nach Seeland. Diese war wesentlich länger als die Femarnsund-Brücke, auch der Wind war hier viel stärker.

Gleich hinter der Brücke lag die Kleinstadt Vordingborg, wo wir beschlossen, unsere Zelte aufzubauen. Wir kochten gemeinsam unser Abendessen und unterhielten uns noch ziemlich lange. Mein australischer Freund versuchte sich auf Deutsch, ich auf Englisch. So konnten wir unsere jeweiligen Sprachkenntnisse gemeinsam verbessern. Er hatte Deutsch erst auf dieser Tour gelernt, "Learnig by speaking" sozusagen und konnte es dafür schon recht gut. Mein Englisch verbesserte sich auch und ich würde es ja schließlich auch brauchen, da die meisten Skandinavier des Deutschen nicht mächtig sind und ich auch über keine Kenntnisse in diesen Sprachen verfügte.



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