My Operation
last updated on 2009 - 10 - 23 Transsexuality Table of contents


Am Montag, dem 19. November 2001 bin ich ins Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main gekommen, nachdem ich ursprünglich erst am darauf folgenden Dienstag eingewiesen werden sollte. Aus irgendwelchen organisatorischen Gründen ist mein Operationstermin um zwei Tage vorgezogen worden. Aber ob dieses "Platzens" meines ursprünglichen Termins war ich nicht gerade böse.

Zuerst habe ich einmal die Aufnahmeformalitäten über mich ergehen lassen müssen. Es folgten ein ausführliches Gespräch mit einem Arzt aus dem Team von Prof. Sohn über den Verlauf und die möglichen Risiken der Operation sowie ein weiteres umfangreiches Gespräch mit dem Narkosearzt. Es gab dann auch noch die Prozedur der vollständigen Darmentleerung durch Einnahme von 2 Litern einer nicht besonders wohlschmeckenden Flüssigkeit. Die Unterbringung erfolgte in einem ganz normalen Zimmer mit anfangs drei anderen ("gebürtigen") Frauen.

Am nächsten Tag wurde ich um 7:00 Uhr förmlich aus dem Bett geworfen und erst einmal im Genitalbereich gründlich rasiert. Dann musste alles ganz schnell gehen, weil ich um 7:30 Uhr zum Operationssaal gefahren wurde. Vorher musste ich noch Duschen, eine Beruhigungstablette nehmen und die Op.-Sachen (OP-Hemd, Thrombosestrümpfe, Kopfbedeckung) anziehen. Dann ging es los. Ich wurde in den Operationssaal gebracht, dort über eine Art Tresen auf so etwas ähnliches wie ein Backblech gelegt. Schon von diesem Zeitpunkt an fehlt mir nun jede Erinnerung. Diese setzte erst wieder um etwa 13:30 Uhr ein, als ich im Aufwachraum zum ersten Male zu mir kam. Um 15:00 Uhr wurde ich wieder auf mein Zimmer gefahren, wo meine Freundin Petra schon auf mich wartete. Ich muss bei ihrem Anblick &qout;Ich habe es geschafft&qout; oder so etwas Ähnliches gemurmelt haben, zumindest erzählte sie mir später etwas davon. Sie rief dann auch von ihrem Handy umgehend meine Eltern an, um ihnen zu versichern, dass alles gut und ohne Komplikationen verlaufen war. Vorher hatte sie sich bei den Ärzten darüber vergewissert. Sie blieb dann noch einige Stunden bei mir, in denen ich abwechselnd schlief und wieder aufwachte. Im Genitalbereich spürte ich nur einen großen Klumpen aus einem nicht lokalisierbaren leichten Schmerz und einer Menge Taubheitsgefühlen. Ich konnte meine Beine noch nicht vollständig zusammenmachen und musste mir etwas zwischen die Knie klemmen, um überhaupt auf der Seite liegen zu können.

In der Nacht ließ die Narkose nach und die Schmerzen nahmen nun etwas zu, hielten sich aber trotzdem in Grenzen. Besonders interessant waren die Phantomschmerzen an Körperteilen, die ich nun gar nicht mehr hatte. Am nächsten Morgen war ich dann wieder richtig wach, konnte aber natürlich noch nicht aufstehen. Bei Prof. Sohn ist es üblich, dass nach der Operation 5 Tage Bettruhe verordnet werden, damit die Haut der Neovagina in aller Ruhe richtig anwachsen kann. Aber an diesem Tage war ich ansonsten schon recht fit und konnte auch Besuch empfangen, welcher dann auch eintraf.

Inzwischen kam auch eine andere transsexuelle Patientin in unser Zimmer, so dass wir nun inzwischen 5 Frauen in einem Raum waren. Sie hieß Pia, kam aus Mülheim an der Ruhr und war in meinem Alter. Sie wurde zwei Tage nach mir operiert, sodass sie durch mich immer den jeweils nächsten Behandlungsschritt zwei Tage im voraus sehen konnte.

Am darauf folgenden Donnerstag wurde dann der erste Verbandswechsel vorgenommen. Ich sah zum ersten Mal das Ergebnis und war irgendwie erschrocken, als ich diese riesige offene Wunde sah. Aber die Ärzte beruhigten mich und sagten, dass sie so ein gutes Ergebnis schon lange nicht mehr gesehen hätten. Nicht besonders angenehm war das kurze Antippen meiner neuen Klitoris, welche aus der Spitze meiner ehemaligen Eichel einschließlich der dazugehörigen Blutgefäße und Nervenstränge hergestellt worden war. Ich wäre vor Schmerz fast bis an die Decke hoch gegangen. Dies war aber eher ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass die Nerven vollständig erhalten und die Durchblutung gesichert ist. Somit war also gewährleistet, dass sich später einmal an dieser Stelle ein gutes Lustempfinden einstellen sollte. Dann wurden die Drainageschläuche gezogen, was auf der linken Seite (da laufen bei mir die Nerven für die Klitoris) äußerst schmerzhaft war.

Am Samstag, aber auch an den vorangegangenen Tagen erhielt ich viel Besuch. Eine ganze Reihe von Bekannten aus Selbsthilfegruppen und Internet-Bekanntschaften waren dabei. Ich habe mich wirklich sehr gefreut, dass so viele Menschen Anteil an meinem Schicksal nehmen, nachdem ich in früheren Jahren ja kaum Freunde hatte. Ich sagte zu Pia scherzhaft, dass sie ja nun fast alle Transsexuellen aus dem Rhein-Main-Gebiet kennen gelernt haben müsste.

Am Sonntag kamen meine Eltern zu Besuch. So harmonisch verlief ein Zusammentreffen mit ihnen noch nie, seit sie von meiner Transsexualität wissen. Schön war auch, dass sie sich mit Petra sehr gut verstanden hatten. Ich hatte im Vorfeld einige Bedenken, aber zum Glück völlig umsonst. Es war einfach ein schönes Gefühl, dass sich die Menschen, die mir sehr wichtig waren, auch untereinander gut verstanden.

Am Montag kam dann die Stunde der Wahrheit. Der Stent, also der Platzhalter in der neugebildeten Vagina, wurde zum ersten Mal herausgezogen. Das Ergebnis war hervorragend. Es gab keine Nekrosen (abgestorbenes Gewebe), die Haut war vollständig angewachsen, kurzum alles bestens. Von nun an musste ich vier mal am Tag für eine halbe Stunde bougieren (also mit dem Platzhalter die Vagina in Tiefe und Weite halten), was mir anfangs ziemlich gewöhnungsbedürftig erschien. Aber allmählich wurde das für mich zur Routine. Nun durfte ich auch endlich aufstehen und so wusch ich mir erst mal die Haare. Endlich konnte ich nun auch auf die Toilette gehen. Das Einzige, was jetzt noch fehlte, war das Wasserlassen. Ich hatte noch einen Katheter drin, welcher zwei Tage später abgeklemmt wurde. Nun hatte ich allerdings noch den Schlauch vom Katheter in der Blase, weil nach jedem Wasserlassen noch zuviel Restharn dort oben herauskam.

Aber das war kein Hindernis für meine Entlassung am darauffolgenden Samstag, weil der Schlauch auch von meiner Hausärztin später herausgezogen werden konnte. Somit war ich insgesamt 13 Tage im Krankenhaus. Danach war ich noch 4 Wochen krankgeschrieben, sodass ich mit Beginn des neuen Jahres wieder zur Arbeit gehen konnte.

Abschließend kann noch gesagt werden, dass ich im Frankfurter Markus-Krankenhaus bei Prof. Dr. Sohn und seinem Team in sehr guten Händen war. Ich hatte immer das Gefühl, dass die Ärzte und das Pflegepersonal zu jeder Zeit wussten was sie taten und sich alle Beteiligten durch ein Höchstmass an Fachkompetenz und Professionalität auszeichneten. Dieser Eindruck verstärkte sich noch zwei Wochen später, als meine Frauenärztin äußerte, dass sich das Ergebnis sehen lassen könne. Ein Unterschied zu biologischen Frauen sei im Prinzip nicht erkennbar.


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